Die Verlobte des Achilles

Autor/innen

Alki Zei (Autor/in); Birgit Hildebrand (Übersetzer/in)

Über dieses Buch

Der Roman zeigt die Entwicklung der jungen Daphni, die während der deutschen Besatzung unter dem Decknamen »Eleni« zur kommunistischen Jugendbewegung stößt und sich in ihren Instrukteur »Achilles« verliebt. Er wird zum Widerstandshelden der Partisanen und heiratet sie kurz vor seiner Flucht in die Sowjetunion. Als »Verlobte des Achilles« abgestempelt, muss sie untertauchen, kann trotz Verhaftung das Land verlassen und wartet in Rom fast zwei Jahre auf ein Visum, um Achilles zu folgen. Eine neue Beziehung verändert sie. Als sie Achilles schließlich in Taschkent wiedertrifft, lassen sich weder das idealisierte Bild ihres Mannes noch das der Partei mit der Realität vereinen. Eleni hat einen inneren Prozess durchlaufen, den sie mitteilen will, doch sie scheitert an der Parteidogmatik und den starren Moralbegriffen ihres Mannes. Auch ein Kind kann die schwierige Ehe nicht retten, eine Scheidung ist jedoch weder ethisch noch politisch vertretbar. Die bitteren Flügelkämpfe der Exilgriechen am Ende des Stalinismus verschärfen die Situation in der Fremde zusätzlich.

Erzählt wird rückblickend aus der Zeit des zweiten Exils in Paris, wo sich Daphni/Eleni mit ihrer Tochter allein durchschlägt: Kurz nach Elenis Rückkehr nach Griechenland war dort die Militärjunta an die Macht gekommen, Achilles wurde verhaftet. Mit einigen ehemaligen griechischen Parteigenossen und Freunden arbeitet Daphni als Komparsin am Filmset für einen Thriller und versucht in den Drehpausen, mit ihrem früheren Leben und der Entwicklung der kommunistischen Bewegung ins Reine zu kommen.

Im Zentrum des Romans stehen nicht die historischen Ereignisse, sondern deren Folgen für das Individuum. In der dichten Verflechtung von politischer und individueller Geschichte sieht D. Tziovas Parallelen zum Werk von Christa Wolf. Zei entwirft die vielschichtige Darstellung einer Generation, die von den geschichtlichen Prozessen zerrieben wurde und keine Gelegenheit hatte, das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Das Buch markierte nach dem Fall der Diktatur und der Anerkennung der Linken den Beginn eines öffentlichen politischen Diskurses, in dem der kommunistische Heldenkult von innen heraus in Frage gestellt und der orthodoxen Parteimoral ein individuelles Wertebewusstsein und ein subjektives Glücksbedürfnis entgegengestellt wurde; Zei schildert dies erstmals aus weiblicher Sicht. Die retrospektive Selbstanalyse macht den Roman auch für die griechische Frauenliteratur bedeutsam.

Alki Zei: Die Verlobte des Achilles

Übersetzung aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand. Mit einem Nachwort von Jannis Papatheodorou
Originaltitel: Η αρραβωνιαστικιά του Αχιλλέα (1987)

Biogramme

Alki Zei

Alki Zei wurde 1925 in Athen geboren und verbrachte ihre Kindheit auf der Insel Samos. Sie studierte Musik, Theater und Literatur in Athen, 1941–1944 schloss sie sich dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an. Sie floh 1952 vor den Repressalien nach Rom, 1954 in die Sowjetunion, zunächst nach Taschkent, dann nach Moskau. Nach Griechenland konnte sie erst 1964 zurückkehren, musste aber nach dem Militärputsch 1967 erneut ins Exil gehen, diesmal nach Paris. Sie kehrte erst 1981 nach Athen zurück, wo sie bis heute lebt.

Zei ist hauptsächlich als Autorin von Jugendliteratur bekannt und hatte gleich mit ihrem ersten autobiographischen Roman Wildkatze unter Glas über ihre Kindheit auf Samos (1966, 1973 ins Deutsche übersetzt von Thomas Nicolaou) einen großen Erfolg. Es folgten weitere Titel, Zei etablierte sich als wichtige Jugendbuchautorin und wurde wiederholt mit Preisen ausgezeichnet. Doch 1987 überraschte sie mit ihrem wohl größten Erfolg, Die Verlobte des Achilles, ihrem ersten Roman für Erwachsene, der mittlerweile einen zentralen Platz im politisch–ideologischen Diskurs sowie in der zeitgenössischen Literaturgeschichte  einnimmt.

Birgit Hildebrand

Birgit Hildebrand wurde in Regensburg geboren. Sie lehrte viele Jahre an der Deutschen Abteilung der Aristoteles-Universität in Thessaloniki. Seit 1989 übersetzt sie neugriechische Literatur, hauptsächlich Prosawerke. 2001 Deutsch-Griechischer Übersetzerpreis für Pavlos Matessis‘ Tochter der Hündin, 2014 Griechischer Staatspreis für Übersetzung für Christos Ikonomous Warte nur, es passiert schon was. Heute lebt sie in Berlin.

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Titelbild für Die Verlobte des Achilles

Angaben zur Monografie

ISBN-13 (15)
978-3-946142-45-4
Erstveröffentlichung (11)
2018-04-24
Erstveröffentlichung in Originalsprache (20)
1987